Gedanken & Beobachtungen

Grenzen, Klarheit und Ruhe

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Eine der für mich eindrücklichsten Beobachtungen innerhalb einer Hundegruppe ist, wie souveräne Hunde gemeinsam reagieren, wenn ein Hund ein Verhalten zeigt, das innerhalb der Gruppe nicht akzeptiert wird.

Das kann beispielsweise ein Hund sein, der ein Territorium zu stürmisch oder mit zu hoher Erregung einnimmt. Dabei beobachte ich nicht, dass die anderen Hunde darauf einfach mit Aggression reagieren. Vielmehr entsteht häufig eine erstaunliche Form der Teamarbeit.

Die anderen Hunde begrenzen zunächst seine Bewegung. Sie positionieren sich, umkreisen ihn und verhindern dadurch, dass er einfach weiterrennt und sein Verhalten fortsetzt.

Entscheidend ist für mich, was anschließend im Körper des Hundes geschieht.

Bleibt er angespannt, versteift sich oder versucht weiterhin, das Verhalten fortzusetzen, wird die Kommunikation der anderen Hunde deutlicher. Wie deutlich sie dabei werden, richtet sich nach der Situation und dem jeweiligen Hund.

Sobald der Hund das Verhalten aufgibt und seine Anspannung nachlässt, endet auch die Begrenzung. Er entspannt sich und Ruhe kehrt ein.

Genau dieser Moment ist für meine Arbeit besonders wichtig: Nicht allein das äußerlich sichtbare Verhalten entscheidet darüber, ob eine Situation wirklich geklärt ist. Entscheidend ist auch der Zustand des Hundes.

Ein Hund kann beispielsweise sitzen und trotzdem weiterhin hoch angespannt sein. Das bloße Sitzen sagt deshalb noch nicht, dass sich die Situation für ihn tatsächlich geklärt hat. Ich achte darauf, ob der Hund körperlich loslässt, seine Anspannung nachlässt und er wieder in einen entspannten Zustand kommt.

Diese Beobachtungen aus dem sozialen Miteinander von Hunden haben meine Arbeit stark geprägt. Dabei geht es nicht darum, dass der Mensch das Verhalten einer Hundegruppe eins zu eins nachahmt.

Es geht darum, die dahinterliegenden Prinzipien zu verstehen: Verhalten frühzeitig wahrzunehmen, Grenzen klar und verbindlich zu setzen, in der Kommunikation so deutlich zu sein, wie es Hund und Situation erfordern, und vor allem genau zu beobachten, wie der Hund darauf reagiert.

Die Begrenzung endet, sobald der Hund das Verhalten aufgibt und wieder in die Entspannung kommt. Danach ist die Sache beendet.